Pfarrer Johann Martin Schleyer

Der Erfinder der Weltsprache Volapük

Johann Martin Schleyer (1831-1912) war von 1875-1885 Pfarrer in unserer Pfarrgemeinde St. Peter und Paul Litzelstetten. Während dieser Zeit entwickelte er - getragen von dem Wunsch einer international einheitlichen Verständigung - die Plansprache Volapük.
Nachdem Prälat Johann Martin Schleyer mittlerweile zur Seligsprechung vorgeschlagen wurde, möchten wir hier Leben und Wirken dieses bedeutenden Lyrikers vorstellen.

Johann Martin Schleyer wurde am 18. Juli 1831 in Oberlauda im badischen Frankenland geboren. Nach seiner Priesterweihe im Jahre 1856 durch Erzbischof Hermann von Vicari (1773-1863) war er in mehreren Pfarreien des Erzbistums Freiburg tätig (Sinzheim, Baden-Baden, Kronau, Wertheim). 1862 kam er nach Meßkirch auf den badischen Heuberg und war danach acht Jahre Pfarrer in Krumbach bei Meßkirch (1867-1875). Dort kam er in arge Bedrängnis wegen einer Predigtäußerung, worin er Stellung bezog gegen den Sozialismus. Es war die Zeit des Kulturkampfes. Er musste dafür in der Festung Rastatt eine viermonatige Haft absitzen und kam nach seiner Entlassung im Dezember 1875 nach Litzelstetten.

Die ersten sieben Jahre in Litzelstetten seien die schönsten in seinem Leben gewesen, äußerte er einmal. Hier hatte er endlich die Muße gefunden, um sich seinen Sprachstudien zu widmen. Er war der Überzeugung, dass die stärker werdenden Beziehungen unter den Völkern eine einheitliche Sprache, die leicht erlernbar ist, erforderten. Dieser Gedanke ließ ihn nicht mehr los. "In einer mir selbst rätselhaften, ja geheimnisvollen Weise, in dunkler Nacht, im Pfarrhaus in Litzelstetten, im Eckzimmer des 2. Stockes, das in den Pfarrgarten hinausschaut, als ich über so viele Missstände, Gebrechen und Jämmerlichkeiten unserer Zeit nachdachte, stand plötzlich das Gebäude meiner Weltsprache vor meinem geistigen Auge. Meinem guten Genius verdanke ich das ganze System der Weltsprache Volapük."

Johann Martin Schleyer

Die Wortstämme des Volapük (Umbildung aus dem englischen Wort world = Welt und speak = sprechen) entnahm Schleyer dem Englischen. Er baute aber auch deutsche, lateinische und romanische Wörter ein. Es gibt in seiner Grammatik keine Ausnahmen. Auch Artikel und Geschlecht finden sich nicht. Die Endungen bei der Beugung der Hauptwörter und den Beiwörtern, bei der Beugung der Zeitwörter sowie der Steigerung sind auf das nötigste beschränkt.

Bei der Wortstellung im Satz herrscht Freiheit. Zwei Hauptwörter werden zusammengesetzt mit Hilfe des Genitivs "a", z.B. vol = Welt, pük = Sprache, also volapük = Weltsprache.


Erste Ausgabe der "Zeitschrift für Volapükisten"
vom 30. März 1888, Einzelpreis 30 Pfennige

In seiner Litzelstetter Zeit gab Schleyer die Monatsschrift "Sionsharfe - Zeitschrift für katholische Poesie" (1876-1884) heraus. Im Sommer 1885 verzichtete er aus gesundheitlichen Gründen auf seine Litzelstetter Pfarrei und trat in den Ruhestand. Eine große Ehrung wurde Pfarrer Schleyer zuteil, als ihm Papst Leo XIII. im Jahre 1894 den Titel eines päpstlichen Hausprälaten verlieh.

Seinen Lebensabend verbrachte er ab dem Jahre 1889 in Konstanz im Hause Schottenstraße 37, wo er am 16. August 1912 verstarb. Eine Gedenktafel an diesem Hause erinnert an Schleyer.







Auch am Pfarrhaus in Litzelstetten weist eine Gedenktafel auf den Volapük-Erfinder hin: "Menade bal - püki bal: Einer Menschheit - eine Sprache"  

Prälat Johann Martin Schleyer wurde zusammen mit Märtyrerpriester Dr. Max Josef Metzger (1887-1944) dem Freiburger Erzbischof zur Seligsprechung vorgeschlagen.
Dr. Metzger wurde 1944 durch die Nazis hingerichtet, da er international Vorschläge für einen Neuanfang nach der deutschen Niederlage machte. Nach dem 1. Weltkrieg war Metzger in der Friedensbewegung hervorgetreten und engagierte sich als sozialer Reformer; in den 30er Jahren war er bahnbrechend in der ökumenischen Bewegung tätig. In seinen Bemühungen um den Frieden benutzte Metzger aktiv die Internationale Sprache Esperanto und stellte sie bewusst in den Dienst der Kirche.
Prälat Johann Martin Schleyer, der auch als katholischer Lyriker und Philanthrop bekannt geworden ist, wollte als Autor der Plansprache Volapük einen Beitrag zum Frieden leisten.


Weltweit verbreitet: Volapük-Sprachvereine

An Schleyer erinnern eine Straße und das Martin-Schleyer-Gymnasium in seinem Geburtsort Lauda-Königshofen, Schleyer-Straßen in Litzelstetten, Krumbach und Konstanz, Gedenktafeln am Pfarrhaus zu Litzelstetten sowie an Schleyers Konstanzer Wohnhaus, ein Volapük-Weg und das Hotel Volapük in Litzelstetten.

 
Das Grab Schleyers auf dem Konstanzer Hauptfriedhof

Die Stadt Konstanz wurde gebeten, Schleyers Grab unter Denkmalschutz zu stellen. Es wurde im Frühjahr 2003 restauriert und ist zentrale Stätte der Verehrung des Prälaten, der als Patron der Völkerverständigung gilt.

Weitere Seiten zu Johann Martin Schleyer: