Rückblick 2004

125 Jahre Volapük

vom Dorfpfarrer von Litzelstetten zum Weltbürger

Unter den Exponaten einer Ausstellung der Österreichischen Nationalbibliothek in Graz, der Weltkulturstadt 2003, befand sich ein Manuskript, das vor genau 125 Jahren im Konstanzer Ortsteil Litzelstetten verfasst wurde. Sein Autor ist der damalige Pfarrer von Litzelstetten, Johann Martin Schleyer (1831-1912), der am 31. März 1879 den Entwurf seiner Weltsprache skizzierte.

Litzelstetten hat die Erinnerung an Volapük und seinen Autor wachgehalten im Hotel Volapük, dem Volapükweg, der Martin-Schleyer-Straße und zwei Gedenktafeln am Pfarrhaus.

Auch in seiner Heimatstadt Lauda-Königshofen ist er keineswegs vergessen: an seinem Geburtshaus im Ortsteil Oberlauda erinnert eine Gedenktafel an ihn, und eine Straße trägt seinen Namen. Auch das Gymnasium der Stadt ist nach ihm benannt, und das Heimatmuseum birgt zahlreiche Erinnerungsstücke, die von Prälat Johann Martin Schleyer stammen.

Zu den Exponaten des Museums gehört auch eine goldene Harfe: Schleyer erhielt sie 1881 zu seinem 50. Geburtstag (er war am 18. Juli 1831 geboren) von Mitarbeitern seiner Zeitschrift Sionsharfe (1876-1884). Für diese Zeitschrift erbat er sich anlässlich einer Italienreise im Frühjahr 1875 von Papst Pius IX. den Segen. Noch im gleichen Jahr musste er als Opfer des Kanzelparagraphen im badischen Kulturkampf vier Monate Festungshaft in Rastatt absitzen, die ihm eine Klage seiner Gegner in der Pfarrei Krumbach einbrachte. Im Dezember trat er eine neue Pfarrstelle in Litzelstetten bei Konstanz an und beginnt dort mit der Herausgabe der Monatszeitschrift für katholische Poesie. Manches seiner späteren Werke (z.B. Eutychia, der Stern des unentweihten Paradieses) erschien dort zunächst in Fortsetzungen. Schon seit seiner Zeit in Meßkirch (1862-1867) ist Schleyer schriftstellerisch tätig. Dort war 1863 sein erster Gedichtband Philalethes erschienen, dem zahlreiche weitere folgten, darunter mehrere in lateinischer Sprache.

Neben seiner literarischen Tätigkeit studierte Schleyer seit seinen Freiburger Universitätsjahren (er wurde 1856 zum Priester geweiht) Sprachen. Nach eigenem Bekunden hat er es auf über 50 gebracht. In einer schlaflosen Nacht im März 1879 kam ihm der Gedanke einer künstlichen Welthilfssprache (die Linguistik spricht heute von Plansprachen), deren Grundlagen er am 31. März 1879 ausarbeitete und in der Sionsharfe verbreitete.

Er traf ins Volle. Das Bedürfnis nach internationaler Kommunikation war vorhanden: die Welt war durch Eisenbahn, Post und Telegraphie bereits zusammengerückt. 1880 erschien Schleyers erstes Volapük-Lehrbuch in Sigmaringen, es gab ein enthusiastisches Presseecho, viele begannen, die neue Sprache zu lernen. Bald schon erfolgte im süddeutschen Raum die Gründung von Vereinen, die die Pflege und Verbreitung der Sprache betrieben. 1884 kann in Friedrichshafen ein erster internationaler Kongress stattfinden, auf dem man eine von Schleyer vertonte Volapük-Hymne sang, die die neu entstandene Brüderlichkeit der Menschen preist. 1887 und 1889 folgen Kongresse in München und Paris. Der Siegeszug des Volapük scheint unaufhaltbar zu sein. Die Sprache fasst in ganz Europa und Übersee Fuß, zahlreiche Zeitschriften erscheinen, die in Volapük entstandene Literatur umfasst rund 1000 Titel, darunter auch Belletristik. Volapük wurde zum Modeartikel: Champagner und Rheinschiffe wurden so getauft, Schleyer selbst avancierte vom Dorfpfarrer zum Weltbürger: sein Name war in aller Munde. Auf der Mainau, die zu seiner Litzelstetter Pfarrei gehörte, hatte er Kontakt zum Großherzog von Baden und selbst zum Kaiser.

Aufgabe der 1887 gegründeten Volapük-Akademie wäre es gewesen, die sprachliche Entwicklung zu überwachen. Doch ihr Präsident, der Pariser Professor Auguste Kerckhoffs (1835-1903), noch heute als Spezialist für Kryptographie bekannt, schlägt sich auf die Seite der Reformer, führt den Bruch mit Schleyer herbei und leitet einen jähen Niedergang der Sprache ein. Volapük war zwar regelmäßig, aber Wortschatz und Wortbildung machten die Sprache - wie man spottete - "schleyerhaft". In den 90er Jahren gerät Volapük zunehmend in Vergessenheit.

Schleyer überlebt seinen eigenen Ruhm. Er arbeitet zwar vor allem am Wörterbuch des Volapük weiter, widmet sich aber immer mehr philanthropischen Themen, verfasst Gebete, Sentenzen, Aphorismen und zahlreiche Ratgeber.

Schleyer war ein Dorfpfarrer von Weltformat. Ein internationales Komitee koordiniert heute die Bemühungen um Seligsprechung, organisiert eine weltweite Unterschriftensammlung, bereitet Neudrucke von Schleyers literarischen Werken vor und hat 2004 mit der Herausgabe eines Schleyer-Jahrbuches begonnen, das sich der wissenschaftlichen Erforschung von Leben und Werk widmet.

Schleyer war als Freiburger Diözesanpriester nach seiner Priesterweihe 1856 in Sinzheim, Baden-Baden, Kronau, Wertheim und Meßkirch tätig, ehe er eigene Pfarreien in Krumbach (1867-1875) und Litzelstetten (1875-1885) übernahm.

Schon 1863 trat er mit einem ersten Gedichtsband Philalethes an die Öffentlichkeit und machte sich bald mit zahlreichen Publikationen (Lyrik, Schauspiele, Erzählungen) einen Namen. Von Pius IX. erbat er sich im Frühjahr 1875 den Segen für seine Zeitschrift Sionsharfe (1876-1884), die der katholischen Poesie gewidmet war. Hier veröffentlicht er im Mai 1879 den Entwurf seines Volapük, dem dann ein Jahr später ein Lehr- und Wörterbuch folgte. Der Erfolg war erstaunlich: es entstanden Vereine, die sich der Pflege und Verbreitung der neuen Sprache annahmen, die bald auch im europäischen Ausland und in Übersee Fuß fasste.

1884 trafen sich die Volapüksprecher zu einem ersten internationalen Kongress in Friedrichshafen, 1887 in München (wo man eine Volapük-Akademie gründete, der die Entwicklung der neuen Sprache oblag) und 1889 in Paris.

Schleyer wandte sich in seinen letzten Lebensjahren in seinen Schriften wieder verstärkt philanthropischen Themen, Gebeten, Sentenzen und Aphorismen zu. 1894 ernannte ihn auf Vorschlag des Freiburger Erzbischofs Papst Leo XIII. zum Prälaten.

Im Jahre 2001 wurde Prälat Schleyer zur Seligsprechung vorgeschlagen. Ein internationales Komitee organisiert eine weltweite Unterschriftenaktion, sorgt für Neuauflagen von Schleyers Werken und bereitet ein "Schleyer-Jahrbuch" vor, das Leben und Oeuvre weiter wissenschaftlich untersuchen wird. Schleyer gilt heute als Patron der Völkerverständigung. Seine Grabstätte auf dem Hauptfriedhof in Konstanz, dessen Grabmal im Jahr 2002/2003 mit Hilfe von Spenden renoviert wurde, kann zu einem stillen Ort des Gebetes werden.

Am 28. April 2004 fand wieder das Schleyer-Komitee-Treffen im Pfarrhaus Litzelstetten statt. Am Abend desselben Tages hielt Reinhard Haupenthal - der beste Kenner des Prälaten Martin Schleyer - einen beachtenswerten Vortrag in der Volkshochschule Konstanz über Martin Schleyers Weltsprache "Volapük".

Ende Oktober 2004 fand in Lauda - dem Geburtsort Schleyers -, dessen Gymnasium zahlreiche Erinnerungsstücke Schleyers aufbewahrt, eine Ausstellung statt, wobei zur Eröffnung am 29. Oktober Reinhard Haupenthal den Festvortrag "125 Jahre Volapük" hielt und der dortige Pfarrgemeinderat mit Pfarrer Grein das Anliegen der Seligsprechung aufnahm.

Im Pfarrhaus St. Peter und Paul / Litzelstetten besteht seit längerem das Johann Martin Schleyer-Archiv, das unter Pfarrer Zimmermann schon erheblich erweitert wurde. Auch will der Ort Litzelstetten auf Initiative von Ortsvorsteher Rudolf Riedle im ehemaligen Rathaus über die Ortsgeschichte eine kleine Ausstellung zu Johann Martin Schleyer ermöglichen.

Pfarrer Bernd Zimmermann
mit Hilfe von Presse-Informationen
zum Volapük-Jubiläum von Reinhard Haupenthal

weitere Informationen zu Johann Martin Schleyer

Aus der Arbeit des Pfarrgemeinderates St. Verena 2004

Mit Beginn des Jahres wurde der im Herbst 2003 beschlossene Wechsel der Verrechnungsstelle und der Eintritt in die Gesamtkirchengemeinde Konstanz umgesetzt. Die Gesamtkirchengemeinde akzeptierte dabei die mit dem Wechsel ausbedungene Probezeit . Erstmalig wurde der Haushalt für die Periode 2004/2005 in Abstimmung mit der Gesamtkirchengemeinde erstellt und von ihrem Geschäftsführer, Herrn Gräble, vorgestellt.

Die Schrift "Aufbruch im Umbruch" des neuen Erzbischofs und der damit eingeleitete intensive Beratungsprozess beschäftigte uns auf der Gemeindeebene wie auf der Ebene der Seelsorgeeinheit mit Dingelsdorf und Litzelstetten. Dieser Prozess dauert an und soll in einen Entwurf neuer pastoraler Leitlinien für unser Erzbistum münden.

Neben den Grundaufgaben der Pastoral (Gottesdienst und Sakramente) nannten wir für unsere Gemeinde als Schwerpunkte die Bereiche

  • Glaubenserfahrung neu beleben
  • Ökumene
  • Förderung der ehrenamtlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen
  • Weltladen/Ökologie
  • Bücherei

In diesen Bereichen soll die bisherige Arbeit verstärkt fortgesetzt, beziehungsweise gefördert werden.
Am 27. April fand eine Sitzung des Pfarrgemeinderates im Kindergarten statt, wo wir von Frau Rock-Jerg und ihrem Team professionell von Konzept und vorbildlicher Arbeit im Kindergarten St. Verena informiert wurden.

Turnusgemäß fand das Fronleichnamsfest unserer Seelsorgeeinheit in diesem Jahr in Dettingen statt. Es konnte unter optimalen Bedingungen durchgeführt werden und erwies sich wieder als das Jahresereignis, an dem die drei Gemeinden der Seelsorgeeinheit zu gemeinsamen Gottesdienst und Prozession zusammen fanden.

In der Sitzung vom 20. Juli setzten wir uns intensiv mit der neuen Liturgie-Instruktion des Vatikans "Sakrament der Erlösung" auseinander.

Am 19. September wurde das Verena-Fest in traditioneller Weise gefeiert. Dr. Leonhardt hielt einen Vortrag über die 700-jährige Geschichte unserer Pfarrkirche.
Dr. Leonhardt unterstützte uns auch bei der Aktualisierung des Fahrnisverzeichnisses (Inventarliste) der Gemeinde; dafür sei ihm an dieser Stelle nochmals gedankt.

Für die langjährige Leitung des Altenwerkes wurden geehrt Frau Reingard Langsch, Frau Edith Krischker und Frau Theresia Griesmeier. (Leider konnte bisher noch keine Nachfolge für die Leitungsfunktion gefunden werden).

Was bringt das neue Jahr 2005?
Am 9. Januar ist ein Stehempfang für alle ehrenamtlich tätigen Gemeindemitglieder geplant. Der Empfang soll in Zukunft jährlich stattfinden und eine Anerkennung für die im vergangenen Jahr geleistete Arbeit sein.
Zusätzlich zu unseren Schwerpunkten wird der Abstimmungsprozess zu den neuen pastoralen Richtlinien uns weiter beschäftigen, der Weltjugendtag im kommenden August will vorbereitet und durchgeführt werden, wir werden uns mit einer neuen Satzung für die Pfarrgemeinderäte auseinandersetzen, und schließlich steht im November die Wahl eines neuen Pfarrgemeinderates an.

Sepp Burgert

Bericht von Herrn Erzbischof Raphael Cheenath/Indien

zu Weihnachten 2004 an unsere Gemeinden

Frohe Weihnachten
Im Vergleich zu allen anderen Jahren meines Lebens war dieses Jahr ein spezielles. Ich lag mit Gehirnmalaria, Rückgratlähmung und einem Hitzschlag danieder, alles im selben Jahr. Beim ersten Fall hätte ich beinahe die Lebensgrenze überschritten. Im zweiten Fall fiel ich zweimal kopfüber in mein Bett, wurde allerdings nicht verletzt. Während der Feier einer Hl. Messe in einem Dorf kollabierte ich dann durch einen Hitzschlag. Die Temperatur war auf 45 Grad geklettert.
Ich schreibe Ihnen dies, um zu zeigen, wie hilflos wir als menschliche Wesen sind, und wie stark wir sind, wenn der Herr sich für uns sorgt. Diese drei Schläge haben mir eine tiefere Aufmerksamkeit für die Gegenwart Gottes in meinem Leben gegeben. Während der Gehirnmalaria war ich im Koma und mein Körper war total unbeweglich. Ich war in meinem Schlafzimmer eingeschlossen und niemand konnte eintreten. Aber schließlich weckte Gott mich auf. Und so bin ich weiter am Leben.
Unter diesen Eindrücken zeigt sich Weihnachten in neuem Licht. Jesus wurde Mensch, um mit uns zu sein. Er kam, um uns von unserer Schwachheit und unseren Fehlern und Sünden zu befreien. Er ist immer mit uns; sein Name ist "Emanuel". Das ist der Sinn von Weihnachten, die gute Nachricht, dass "Gott mit uns ist". Unsere christliche Berufung soll in der Erkenntnis wachsen, dass Gott in unserem Leben anwesend ist. So möchte ich die Gelegenheit ergreifen und Ihnen ein Frohes Weihnachtsfest wünschen. Wie üblich möchte ich Ihnen über den Fortschritt berichten, den wir im vergangenen Jahr gemacht haben und auch über unsere Pläne für das kommende Jahr.

Arbeiter im Weinberg
Unsere Erzdiözese ist mit Berufungen zum Priestertum und zum Ordensleben gesegnet. Da eine immer schneller sich entwickelnde Welt immer größere Wirksamkeit und Transparenz erfordert, haben wir entschieden, auch unser Ausbildungsprogramm dementsprechend zu reorganisieren. Das erfordert natürlich mehr Raum und bessere Lebensbedingungen für die Seminaristen. Deshalb haben wir geplant, unsere bestehenden Seminargebäude zu vergrößern, um mehr Seminaristen aufnehmen zu können. Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, dass wir zur Zeit 39 Seminaristen im Priesterseminar haben und 69 Gymnasiasten im Kleinen Seminar. Sie alle kommen aus unserer Erzdiözese. Zwei Diakone werden im November zu Priestern geweiht.

Pastorales Leben der Gläubigen
Unser Pastoralzentrum in Konjamendi bildet regelmäßig und systematisch Katechisten und Gemeindeleiter aus. Während der vergangenen 3 Jahre hatten wir 26 Ausbildungsprogramme für ca. 1800 Laien durchgeführt. Auch haben wir ständige Ausbildungsprogramme für die Leiter von Basisgemeinden. Daneben führen wir Ehevorbereitungskurse für junge Männer und Frauen durch. In Puri, einer der 5 heiligen Städte der Hindus, wollen wir ein spirituelles Zentrum für Exerzitien, Seminare etc. errichten.
Für verschiedene Gruppen halten wir bereits über das ganze Jahr Exerzitien. Im allgemeinen schätzen die Leute die Teilnahme. Die Liturgie wird in der Lokalsprache "Oriya" gefeiert. Fast jede Familie besitzt schon eine Bibel.

Schulbildung, der Schlüssel zum Fortschritt
Es ist sicherlich eine Freude zu wissen, dass Tausende von jungen Männern und Frauen im öffentlichen Dienst, in der Industrie oder in der Wirtschaft beschäftigt sind, die alle durch unsere Schulen gegangen sind. Unsere Erzdiözese unterhält dazu 55 Schulen für 15.751 Kinder. Wir geben auch Unterhalt für Straßenkinder. Wir unterhalten auch 86 "Straßenschulen", um ca. 2.370 Kinder für die Aufnahme in normalen Schulen vorzubereiten. 1350 Kinder aus Slums erhalten regelmäßig von uns materielle Unterstützung. Die Ausbildung ist wirklich der größte Beitrag der Kirche an das indische Volk.
Deshalb legen wir so großen Wert auf den Unterhalt und die gute Führung unserer Schulen. Eine neue Schule ist nun für die Pfarrei Ruthungia vorgesehen. Drei weitere Schulen in Kendrapara, Phulbani und Jaipur Road sollen erweitert werden.

Unsere Internate
Manche sehen die Internate nicht so dringend an. Aber für die meisten Kinder in unseren Internaten ist dies der einzige Weg zur Ausbildung. Da viele der staatlichen Dorfschulen nicht funktionieren, finden die Kinder in unseren Internaten besondere Bedingungen, um in die benachbarten Schulen zu gehen und besser lernen zu können.
Deshalb haben wir 30 Internate für etwa 2300 Kinder. Zwei neue Internate für Mädchen in Pobingia und Padangi werden nun vollendet, zwei weitere, eines für Jungen und eines für Mädchen in Kotogarh sind noch im Bau. Für Gadapur und Mondasore werden weitere Internate geplant. Ein Internat in Kattingia braucht einen Speisesaal. Die Jungens-Internate in Raikia und Mondasore müssen renoviert werden.
Obwohl wir auf einigen persönlichen Beitrag bestehen, sind doch einige Kinder wegen ihrer äußersten Armut auch nicht zu einem Minimum einer Beitragszahlung in der Lage.

Sorge um die Kranken
Die Sorge um die Kranken ist ein wesentlicher Aspekt unserer Mission in der Welt. Jesus selbst hat hierbei durch die Heilung der Kranken, die zu ihm kamen, ein inspirierendes Beispiel gegeben. So bin ich glücklich, Ihnen mitteilen zu können, dass wir am 21. Oktober dieses Jahres in Kumbharkupa das allererste Heim für physisch behinderte Kinder eröffnet haben. Die Schwestern der Liebe werden die Kinder betreuen. Das Heim beherbergt 30-50 Mädchen, die später in örtlichen Schulen ausgebildet und schließlich in ihre eigenen Familien wieder integriert werden sollen. Für ihren Transport bräuchten wir einen Minibus. Die Brüder und Schwestern von Mutter Teresa haben in der Pfarrei Jaipur Road ein weiteres Heim für geistig zurückgebliebene Kinder eröffnet.
Unsere 19 ambulanten Krankenstationen und mobilen Kliniken haben im vergangenen Jahr über 200.000 Patienten behandelt. 2 neue Krankenstationen wurden in den Pfarreien Balliguda und Kotogarh errichtet. In der Pfarrei Jaipur Road, die von den Brüdern der Mutter Teresa geleitet wird, wurde eine TB-Abteilung neu eingerichtet. Eine neue Krankenstation ist für die Pfarrei Gadapur geplant.
Darüber hinaus versorgen unsere 16 Gesundheitszentren 3.874 Lepra-Kranke in der Erzdiözese. Im ganzen Staat Orissa gibt es 18.029 Leprosen. Was wir tun ist wie ein kleiner Tropfen im Ozean. Viel mehr sollte noch getan werden. Wir planen auch eine Versorgung der HIV/AIDS Opfer.

Entwicklungsaktivitäten
Vor Jahrzehnten lebten die armen Leute von der Hand in den Mund. Sie bewahrten nichts auf und lebten in äußerster Armut. So war es notwendig, ihnen zu lehren, wie man Geld für die Zukunft spart. Unsere Selbsthilfegruppen haben sich für diesen Wandel des Denkens sehr bewährt.
Für Leute, die in äußerster Armut und tiefer Unterdrückung leben, ist die Selbsthilfe und Selbstverantwortung der sicherste Weg der Befreiung. Das kann ich mit meiner ganzen Erfahrung sagen. So haben wir zum Beispiel schon 770 Selbsthilfegruppen, 500 für Frauen und 270 für Männer mit einer Mitgliedschaft von 10.435 Personen. Sie haben bereits ein Bankguthaben von 8 Millionen Rupien, das schnell weiterwächst. Wir planen nun, zwei Verwaltungsinstitute zu eröffnen, damit die Leute nicht Geldleihern und Geschäftsleuten zum Opfer fallen. Das ist ein äußerst schwieriger Prozess, aber wir sind zuversichtlich, dass wir es schaffen.
Wir haben auch Programme zum Lebensunterhalt wie Gemüsegärten, Landwirtschaft, Handwerk, Ziegen-, Fisch-, Entenzucht etc. Wir hoffen, dass dies die finanzielle Situation der Armen verbessert. Hierbei ist es interessant zu sehen, dass bei allen Aktivitäten Frauen aktiver und verlässiger sind.
Das "Zentrum für Humanes Leben", unser Berufsschulzentrum in Bhubaneshwar unterrichtet 2200 Schüler auf verschiedenen Feldern wie Schreibmaschine schreiben, englische Sprache, Computertraining, Schneiderei und Stickerei, Bürokurse, Sprachunterricht etc.

Kirchen und Kapellen
Bescheidene Kirchen und Kapellen laden die Leute zum Gebet ein. Die Pfarreien in Padangi und Duburi brauchen notwendig Kirchen, da die Leute in den Dörfern wegen der großen Entfernung nicht in die Pfarrzentren kommen können. Aber Dorfkapellen sind ein wesentlicher Aspekt in ihrem Gebetsleben. Unsere Leute sind arm und einfach. Deshalb geben wir nicht zu viel Geld zum Bau von Kirchen und Kapellen aus.
Doch konnten wir inzwischen 7 Dorfkapellen fertig bauen. Zwei mehr sind bereits im Bau. Wegen der wachsenden Gemeinden brauchen wir weitere 14 Dorfkapellen und 6 Pfarrkirchen. Wir brauchen auch noch 7 Pfarrhäuser für die Priester, die gegenwärtig noch in Behelfsunterkünften wohnen.
Von großer Bedeutung sind für uns auch die Schwestern. Auch dafür benötigen wir 4 neue Konvente. Der alte Konvent in Mondasore wird gerade renoviert.
Wir haben auch vielen Familien geholfen, die in Lehmhütten wohnten, 530 feste Häuser mit Blechdächern zu bauen.
Am 26. August dieses Jahres wurde die 50-Jahre alte Kírche von Raikia in der Erzdioezese Kuttack-Bhubaneshwar von einer hinduistischen Fundamentalistengruppe überfallen. Ungefähr 500 Fanatiker drangen mit tödlichen Waffen in die Kirche ein und zerstörten alle Gegenstände in der Kirche (sechs Statuen, das ganze Mobilar, die Kreuzwegbildstationen, Fenstergläser, Türen, Musikinstrumente, Leuchter und den Tabernakel). Sie zerstörten auch 6 Häuser von christlichen Familien. Alles zusammen ist das ein Verlust von Euro 32.727,- . Bitte betet für uns!

Abschluss
Ich habe Ihnen nun unsere Aktivitäten im vergangenen Jahr gleichsam aus der Vogelperspektive vorgestellt. Alle unsere Arbeiten gehen weiter. Dies ist nur wegen Ihnen möglich, die Sie für uns beten und uns immer mit Ihren Almosen unterstützen. In diesem Sinn sind wir Partner in der Mission Christi, der seine Apostel gesandt hat, das Evangelium zu verkünden.
Deshalb möchte ich anlässlich des Weihnachtsfestes Ihnen persönlich meinen aufrichtigen Dank aussprechen. Ich vertraue darauf, dass wir weiter zusammenarbeiten werden. Ich bitte Sie, diesen Brief auch an Ihre Freunde weiterzugeben. Ich werde besonders in der Mitternachtsmesse für Sie beten. Nochmals danke ich Ihnen für Ihr persönliches Interesse in meiner Mission.
Ich schließe diesen Brief mit allen guten Wünschen für ein glückliches und gnadenerfülltes Neues Jahr 2005.

Mit gebetsvollen Wünschen verbleibe ich
Hochachtungsvoll in Jesus und Maria
Ihr

+ Raphael Cheenath, SVD
Erzbischof von Cuttak-Bhubaneshwar

Chronik des Jahres 2004

  • Wie in jedem Jahr besuchten zwischen Weihnachten und Dreikönig die Sternsinger unsere Wohnungen.
  • Am Fest der Taufe Jesu 11. Jan. 2004 wurden in einem Tauferinnerungs-Gottesdienst unsere Kleinkinder gesegnet.
  • Großes Interesse fand am 13. Jan. 2004 ein Vortrag über die Eucharistie-Enzyklika des Papstes von Pfarrer Bernd Zimmermann bei unseren Frauengemeinschaften der Bodanrückgemeinden und weiteren Besuchern im Pfarrheim St. Verena.
  • Im Januar sowie Februar fanden ökumenische Bibelabende zum Propheten Hosea sowohl in Litzelstetten wie auch in Dettingen statt.
  • Am 17. Febr. 2004 fand die "Fasnacht der Frauen" im Pfarrheim Dingelsdorf am Nachmittag sowie die "Pfarrfasnacht" am Abend im Pfarrheim Dettingen große Beachtung.
  • Am 27. Febr. 2004 berichteten Frau Ingeborg und Herr Heribert Baumann über ihre Pilgerreise nach Santiago di Compostela im Gemeindehaus Litzelstetten.
  • Im Febr./März machte die angehende Gemeindereferentin Frau Sarah Weber in unseren Bodanrückgemeinden unter Anleitung von Herrn Thomas Langkau ihr Praktikum.
  • Am 12. April 2004 (Ostermontag) gingen 27 Kinder von St. Peter und Paul in der Pfarrkirche Litzelstetten zur Erstkommunion.
  • Am 18. April 2004 (Weißer Sonntag) kamen 29 Kinder von St. Verena in der Pfarrkirche Dettingen zur Erstkommunion.
  • Am 25. April 2004 (2. Sonntag nach Ostern) war die Erstkommunion von 16 Kindern aus Dingelsdorf in der Kirche St. Peter und Paul/Litzelstetten.
  • Am 28. April 2004 tagte das Schleyer-Komitee im Pfarrhaus Litzelstetten. Am Abend war ein Vortrag von Herrn Reinhard Haupenthal mit dem Thema "125 Jahre Volapük" in der Volkshochschule, Katzgasse, Konstanz.
  • Am 9. Mai 2004 war die Feier "10 Jahre Kindergarten St. Nikolaus" in Dingelsdorf.
  • Am 9. Mai 2004 war am Abend in St. Peter und Paul/Litzelstetten gemeinsame Maiandacht für die Kommunionkinder der Konstanzer Bodanrückgemeinden.
  • Am 20. Mai 2004 (Fest Christi Himmelfahrt) kamen in Sternprozession die drei Gemeinden St. Peter und Paul, St. Verena und St. Nikolaus in der Hl. Kreuz Kapelle in Oberdorf zur Eucharistiefeier und Segnung mit der Hl. Kreuz-Reliquie zusammen.
  • Vom 21. – 25. Mai 2004 fand eine Familienfreizeit in Sedrun (Schweiz) statt.
  • Am 10. Juni 2004 war für die drei Bodanrückgemeinden bei schönstem Wetter das Fronleichnamsfest mit Prozession und vier Altären in Dettingen mit einer großen Mitwirkung und Beteiligung aller drei Gemeinden St. Verena, St. Peter und Paul und St. Nikolaus.
  • Am 27. Juni 2004, am Patrozinium St. Peter und Paul,
    war zugleich das 25-jährige Priesterjubiläum von Missionar Wilhelm Stader / Dingelsdorf, der gerade in seiner Heimat den Urlaub verbrachte.
    Erzbischof Cheenath/Orissa/Indien hielt das Pontifikalamt in Konzelebration mit Pfarrer Stader, Ortspfarrer Zimmermann, Pfarrer i.R. Speicher und Neupriester Notker Baumann mit Festpredigt , die der Erzbischof in einwandfreiem Deutsch hielt.
    Der Missionar Wilhelm Stader bekam ein Geldgeschenk aus seiner Heimatpfarrei St. Nikolaus, das er für einen Gottesdienstbau dringend gebrauchen kann.
    Erzbischof Cheenath pflegte schon über viele Jahre Verbindung mit Pfarrer Bernd Zimmermann. Er erhielt von ihm Hilfe für seine seelsorgerlichen und sozialen Aufgaben in seiner Erzdiözese in Indien. So stand das Patrozinium im Zeichen der unterstützenden Verbindung mit notdürftigen christlichen Gemeinden in Brasilien und Indien. Bei einem Stehempfang und Gelegenheit zum Einkauf beim Weltladen konnten die Besucher mit Erzbischof Cheenath und Missionar Stader sprechen.
  • Am 10. Juli 2004 weihte Pfarrer Zimmermann die neue Kletterburg im Kindergarten St. Peter und Paul ein.
  • Am 23. Juli 2004 wurde Konrektorin Hannelore Amann nach 43 Dienstjahren und seit 1975 in der Grundschule Litzelstetten von der Leiterin Frau Schmermund in den Ruhestand verabschiedet. Dabei sprachen auch Ortsvorsteher Rudolf Riedle sowie Pfarrer Bernd Zimmermann Dankesworte und würdigten den großen Einsatz von Frau Amann für Gemeinde und Kirche. Auf Initiative von Religionslehrerin Frau Veronika Schlee wurde Frau Amann im ökumenischen Abschlussgottesdienst am 28. Juli in der Pfarrkirche St. Peter und Paul von der 4. Klasse ein Apfelbäumchen zur Pflanzung übergeben. Frau Hannelore Amann wird weiterhin im Pfarrgemeinderat in unserer Gemeinde mitwirken.
  • Am 15. Aug. 2004 - Fest "Maria Himmelfahrt" - fand in St. Marien/Mainau mit festlichem Amt und Predigt von Pfarrer Zimmermann das Patrozinium statt unter Beteiligung vieler Besucher und Gemeindemitglieder, die Freikarten zum Besuch der Insel bekamen.
  • Am 7. Sept. 2004 besuchten die ca. 60 Angestellten der Konstanzer Bodanrückgemeinden in einem Betriebsausflug Kloster Maria Wald und Pfullendorf, wobei Pfarrer Zimmermann jede/n Einzelne/n für die Tätigkeit in unseren Gemeinden würdigte.
  • Am 15. Sept. 2004 hielt zur Eröffnung des Patroziniums St. Verena Dr. Raphael Leonhardt einen Vortrag mit dem Thema: "Dettingen unter der Reichenau".
  • Am 18. Sept. 2004 war in einem Abendgottesdienst das Patrozinium Heilig Kreuz in der Kapelle Oberdorf mit Segnung durch die Heilig-Kreuzreliquie.
    Am 19. Sept. 2004 war Patrozinium in St. Verena / Dettingen mit festlichem Amt und Predigt zur 700 Jahrfeier der Pfarrei (Ersterwähnung 26. März 1303), gehalten von Ortspfarrer Zimmermann sowie sich anschließendem Pfarrfest der Gemeinde.
  • Am 3. Okt. 2004 feierten alle drei Pfarreien Erntedankfest mit geschmückten Erntealtären.
  • Vom 7. Okt. - 10. Okt. fand in der ganzen Erzdiözese Freiburg die 72-Stunden-Aktion des BDKJ statt, an der sich auch Jugendliche aus unserer Seelsorgeeinheit beteiligten. Die Pfadfinder aus Dingelsdorf bauten ein Abenteuerhaus für den Kindergarten St. Peter und Paul in Litzelstetten, KJG und Ministranten aus Dettingen verschönerten den Schulhof im Ort.
  • Am 1. Nov. 2004 Allerheiligen; fanden am Nachmittag in allen Pfarreien Wortgottesdienste im Gedenken an die Verstorbenen und Segnung aller vier Friedhöfe statt.
  • In der 2. Novemberwoche waren in allen Gemeinden St. Martinsumzüge.
  • Am 9. Nov. 2004 trafen sich die Pfarrgemeinderäte von St. Verena mit dem Ältestenrat der evangelischen Gemeinde Wallhausen/Dettingen zum Gesprächsaustausch.
  • Am 10. November 2004 feierte in einer festlichen Eucharistie in der Pfarrkirche St. Peter und Paul Frau Cäcilie Mayer ihren 100. Geburtstag.
  • Am 22. Nov. 2004 traf sich der Pfarrgemeinderat St. Peter und Paul mit dem Ältestenrat der evangelischen Gemeinde Litzelstetten zum Gesprächsaustausch im kath. Gemeindehaus.
  • Am 5. Dez. 2004 war Patrozinium St. Nikolaus / Dingelsdorf mit festlichem Amt und anschließend Pfarrfest.